Wie verändern sich die Familien in Südtirol? Inwieweit stehen gegensätzliche Faktoren wie Territorium, Tradition, kulturelle Zugehörigkeit und sozialer Wandel in Wechselwirkung zueinander?
Dieser Bericht dokumentiert den aktuellen Zustand der Südtiroler Familie und beschreibt die Ergebnisse einer Studie, bei der ihre Verhaltensweisen, Einstellungen, Entscheidungsprozesse und Wertorientierungen durch die Gegenüberstellung von Frauen aus zwei Generationen mit sehr innovativen Erhebungsverfahren untersucht wurden. Während die allgemeinen demographischen Trends weitgehend der Entwicklung im übrigen Italien – wo sich Heiratsalter und Geburt des ersten Kindes generell nach oben verschieben – entsprechen, werden in Südtirol die familiären Verhaltensmuster durch sprachlich-kulturelle Zugehörigkeiten stärker beeinflusst. Denn mehr als in anderen Regionen vertrauen die Südtiroler Familien lieber auf die Unterstützung der Familie und der Verwandtschaft als auf Marktlösungen und wünschen sich ein öffentliches und universalistisches Sozialwesen mit effizienten Dienstleistungen.
Die auf 500 Interviews basierende Untersuchung zeichnet ein sehr detailliertes und genaues Bild, liefert aber gleichzeitig auch wissenschaftlich fundierte Entscheidungshilfen für die Politik.
Francesco C. Billari ist Dozent für Demographie am Institut für Quantitative Methoden der Universität Luigi Bocconi in Mailand.
Luigi Mauri , Soziologe, ist Direktor der Forschungs und Beratungsgesellschaft Synergia in Mailand.